André Pilz – Man Down

ISBN 9783852186238
Preis: 19,90€
erschienen: Februar 2010
im Haymon Verlag
Roman
…ich habe manchmal solche Angst, dass ich mir wünsche, ich wäre tot, damit die Angst ein Ende hat. Damit nur diese verdammte Angst ein Ende hat… (S.20)
Kai Samweber ist nach einem schweren Arbeitsunfall erfolglos auf Arbeitssuche.
Seine Wohnung ist ein Drecksloch, in der niemand freiwillig leben würde. Einzig seine Flucht in Alkohol und Drogen hilft ihm, dem menschenunwürdigen Alltag zu entkommen – wenn auch immer nur für kurze Zeit.
Selbst kann er sich nicht mehr finanzieren, daher ist er auf seinen Kumpel Shane angewiesen. Er versorgt ihn mit den nötigen Substanzen, um sein Leben kurzzeitig erträglicher zu machen.
Da dies aber auch nicht ausreicht, macht er zusätzlich noch Schulden bei Shanes Brüdern. Zurückzahlen wollte er die Schulden mit seinem Gehalt, welches zu diesem Zeitpunkt immer noch aussteht, aber ihm von seinem ehemaligen Arbeitgeber „bei seiner Ehre“ zugesichert wurde. Aber wie könnte es anders sein, natürlich geht auch dieser Plan nicht auf. Shane verschafft ihm aber eine Möglichkeit, seine Schulden doch nicht abzuzahlen…
Ein kleiner Lichtblick taucht auf, als er Marion kennen lernt. Er spürt gleich, dass sie die Frau aller Frauen ist, seine Traumfrau. Aber auch sie hat eine tragische Lebensgeschichte und so scheint das kurze Gefühl des vollkommenen Glücks auch hier gefährdet.
Andre Pilz hält uns in diesem Buch den Spiegel vor. Kai ist genau das, wovor sich fast jeder fürchten muss. Eine Existenz am Rande der Gesellschaft. Jeder kann heute von Arbeitslosigkeit betroffen sein und nicht jeder bringt die Kraft auf, um sich selbst aus diesem Loch der Verzweiflung und Perspektivlosigkeit wieder rauszuziehen.
Die Sprache der Personen im Buch ist authentisch; hart, direkt, schonungslos, auf den Punkt. Alles andere hätte die Charaktere auch lächerlich wirken lassen.
Besonders gut haben mir die Seitenhiebe auf die Gesellschaft und die Politik gefallen. Firmenbosse, die ihre Angestellten ausbeuten wie billige Arbeitssklaven. Banker, die einen Trümmerhaufen hinterlassen und dafür mit Abfindungen belohnt werden. Die „Elite“ untereinander, die sich gegenseitig kein Auge aushackt.
All das fädelt der Autor geschickt in die Handlung ein, ohne dass es unpassend wirkt. Es unterstreicht viel mehr die Ungerechtigkeit, die man einfach nicht nachvollziehen kann und vor allem auch gar nicht will.
Mein Fazit: Wenn man sich auf das Experiment „man down“ einlassen kann und sich nicht von der direkten Sprache abschrecken lässt, erfährt man zu deutlich, was alles in der heutigen Zeit schief läuft. Es wird Zeit, davor nicht mehr die Augen zu verschließen.

[...] Stammsen – Operation Westwind Oliver Uschmann – Hartmut und Ich André Pilz – Man Down Jan Weiler – Maria, ihm schmeckt’s nicht! Daniel Glattauer – Gut gegen [...]
Von: SuB-Abbau Februar « Meinebuchwelt am 6. März 2010
um 21:00
Unverblümt und fast unerträglich zeitgemäß. Wunderbare Sprache – tolle Geschichte. Eines der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Ich konnte mich bis zum Ende nicht entscheiden ob ich die Hauptfigur hassen oder lieben soll. Spitze!!
Von: Barbara am 9. März 2010
um 13:57
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Von: SuB-Abbau Feburar 2010 « Myblog's Blog am 2. Mai 2010
um 11:48